Beim brandaktuellen Thema "Schließung des Faches Kommunikationswissenschaft" an unserer Uni wird in nahezu allen Pressemitteilungen und Stellungnahmen (insbesondere der offiziellen Argumentation der Uni) der Studiengang Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften (Komedia) als Vergleich zu KoWi herangezogen. Wir, der Fachschaftsrat Komedia, fühlen uns daher verpflichtet, unseren Standpunkt zu diesem Thema der Öffentlichkeit zugänglich zu machen:
In aller Kürze: Komedia und KoWi sind aus unserer Sicht keine vergleichbaren oder in Konkurrenz stehenden Studiengänge!
Die ausführliche Form: Komedia ist ein vollständig auf neue Medien ausgelegter, sehr interdisziplinärer Studiengang im Spannungsfeld der Bereiche Psychologie, Informatik und Wirtschaft, der mit dem B.Sc. beziehungsweise dem M.Sc. abschließt und an der Fakultät für Ingenieurswissenschaften angesiedelt ist. Schon an diesem Punkt sollte jedem ersichtlich sein, dass Komedia mit einem sozialwissenschaftlich orientierten Fach wie der Kommunikationswissenschaft nicht allzuviel gemeinsam hat. Es wird jedoch noch interessanter:
Bis 2008 hieß "Komedia" noch "KomMedia", was ausgeschrieben "Angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaften" hieß. Bis dato gab es in der Tat einen recht großen sozial- und geisteswissenschaftlichen Anteil in unserem Studium, beispielsweise insgesamt 31(!) zu erreichende ECTS-Credits in den Bereichen Sozialwissenschaften, Angewandte Literaturwissenschaft sowie interkulturelle Kommunikation. Dieser Aspekt von Kommedia/Komedia fiel durch eine Umstrukurierung KOMPLETT weg und die freien Kapazitäten wurden durch wirtschaftswissenschaftliche Module und eine Stärkung der Kernkompetenzen Informatik und Psychologie aufgefüllt.
Man sieht also, dass unser Studiengang sich von den durch die Kommunikationswissenschaft abgedeckten Bereichen im Laufe der Zeit sogar entfernt und verselbständigt hat. Natürlich gibt es auch heute noch gewisse Berührungspunkte zwischen Komedia und KoWi, beispielsweise hinsichtlich medienpsychologischer Fragestellungen oder grundlegender Aspekte menschlicher Kommunikation. Dies sind allerdings alles Schnittmengen (die im Angesicht der unterschiedlichen Perspektiven sogar Synergien erzeugen könnten) und keine Substitute.
Ganz abgesehen von den obenstehenden Fakten gibt es noch eine Seite der Medaille: Die akademische Diversität und Freiheit. Ohne eine politische Grundsatzdiskussion initiieren zu wollen, sind wir der Meinung, dass man nicht klaglos die Dezimierung eines Faches, das zu ebendieser Vielfalt beiträgt, hinnehmen sollte oder gar muss.
Der FSR Komedia äußert damit stellvertretend für die Fachschaft im Angesicht der Schließung des Faches Kommunikationswissenschaft Skeptizismus, insbesondere hinsichtlich des Vergleiches mit Komedia und spricht seine Solidarität mit unseren KoWi-Kommilitonen aus!
17.8.2011, der Fachschaftsrat Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften.